MONOLOG
Novalis,
Friedrich von Hardenberg.
Das
philosophisch-theoretische Werk, pp. 438-439.
Es ist eigentlich um das
Sprechen und Schreiben eine närrische Sache; das rechte
Gespräch ist ein bloßes Wortspiel. Der
lächerliche Irrthum ist nur zu bewundern, daß die Leute
meinen--sie sprächen um der Dinge willen. Gerade
das Eigenthümliche der Sprache, daß sie sich blos um sich
selbst bekümmert, weiß keiner.Darum ist sie ein so
wunderbares und fruchtbares Geheimniß,-- daß wenn einer
blos spricht, um zu sprechen, er gerade die herrlichsten, originellsten
Wahrheiten ausspricht. Will er aber von
etwas Bestimmten sprechen, so läßt ihn die launige Sprache
das lächerlichste und verkehrste Zeug sagen. Daraus
entsteht auch der Haß, den so manche ernsthafte Leute gegen die
Sprache haben. Sie merken ihren
Muthwillen, merken aber nicht, daß das verächtliche
Schwatzen die unendlich ernsthafte Seite der Sprache ist. Wenn man den
Leuten nur begreiflich machen könnte, daß es mit der Sprache
wie mit den mathematischen Formeln sei--Sie machen eine Welt für
sich aus--Sie spielen nur mit sich selbst, drücken nichts als ihre
wunderbare Natur aus, und eben darum sind sie so ausdruckvoll--eben
darum spiegelt sich in ihnen das Werhältnißspiel der Dinge. Nur durch ihre Freiheit sind sie Glieder der
Natur und nur in ihren freien Bewegungen äußert sich die
Weltseele und macht sie zu einem zarten Maaßstab und
Grundriß der Dinge. So ist es auch
mit der Sprache--wer ein feines Gefühl ihrer Applicatur, ihres
Takts, ihres musikalischen Geistes hat, wer in sich das zarte Wirken
ihrer innern Natur vernimmt, und danach seine Zunge oder seine Hand
bewegt, der wird ein Prophet sein, dagegen wer es wohl weiß, aber
nicht Ohr und Sinn genug für sie hat, Wahrheiten wie diese
schreiben, aber von der Sprache selbt zum Besten gehalten und von den
Menschen, wie Cassandra von den Trojanern, verspottet werden wird. Wenn ich damit das Wesen und Amt der Poesie
auf das deutlichste angegeben zu haben glaube, so weiß ich doch,
daß es kein Mensch verstehn kann, und ich ganz was albernes
gesagt habe, wiel ich es habe sagen wollen, und so keine Poesie zu
Stande kommt. Wie, wenn ich aber reden
müßte? und dieser Sprachtrieb zu sprechen das Kennzeichen
der Eingebung der Sprache, der Wirksamkeit der Sprache in mir
wäre? und mein Wille nur auch alles wollte, was ich
müßte, so könnte dies ja am Ende ohne mein Wissen und
Glauben Poesie sein und ein Geheimniß der Sprache
verständlich machen? und so wär' ich ein berufner
Schriftsteller, denn ein Schriftsteler ist wohl nur ein
Sprachbegeisterter?--